Jedes Land hat seine kulturellen Begebenheiten. So im Großen und Ganzen ist der Menschen Wunsch Auszugehen natürlich einfach nur der Wunsch Auszugehen, Geselligkeit zu haben. Und soo unterschiedlich sind die Kulturen hier natürlich nicht.
Trotzdem ist es eine wundersame Sache, sich mitten in England (nicht London!) auf Abendtour zu begeben. Und lustig, hier und da. Anstrengend auch.
Aber von vorne.
Gehe ich in Deutschland weg, so kenne ich Niedersachsen im großen und ganzen, ein bischen Hamburg, ein bischen Berlin, viel Kassel übernacht, die alte Heimat Braunschweig und das, was in “Ruhrarea” so geht: Neuss über Nacht, Essen marginal und Düsseldorf so lala. Kaum Duisburg. Wie auch immer das geht. In niedersächsischen Umfeld gab es viele Cafés, ein paar Kneipen, ein paar Kneipen-Café-Gemische, ein paar Kneipen-Café-Disko-Gelegenheiten, oder ein paar gediegene Nachtclubs und was man so dazu macht. Auch mal Theater, auch mal Kulturveranstaltungen. Und Konzerte. Alles in allem nicht so schlecht, abgesehen davon, dass der persönliche Wohnort ein wenig Aufholbedarf hätte. Vielleicht sind aber auch nur die Ansprüche zu hoch? Who knows….
Gehen die Leute aus, so wird es schick für Theater, ebenso für Essengehen und kulturkonform je nach Musikrichtung und Wille. Kneipen sind im Wesentlichen für alte Leute, oder sie gehen wieder in Richtung Café, oder haben etwas Besonderes. Für jeden ist etwas dabei und jeder geht, wie er es für richtig hält. Abgesehen von der “schicken” Fraktion natürlich. Gerne in Cliquen und Grüppchen oder mit der besten Freundin/dem besten Freund.
England:
In England gibt es Kneipen.
Und Bier.
Und Ladenschlußzeiten.
Und vorwiegend junge Menschen, die männchen- oder weibchenweise in Rudeln auftauchen. Die Damen geschniegelt und gestriegelt wie für den Abschlußball, die Herren in Poloshirt.
Dem schnellen Absturz frönend.
Ein wenig belustigend für den Anfang, aber nach zwei drei Pints, oder, in meinem Fall, vorzugsweise “Pear-Cider” (wir kennen das Gesöff hier unter Cidre und es kann durchaus gefährlich werden so im Laufe des Abends) gluckert man einfach so unter…
Wenn da nicht…
Wenn da nicht die leicht verhängnisvolle Tatsache wäre, dass ich nicht wirklich aus England bin, mindestens einen komischen Akzent spreche, der mir letztens als bulgarisch ausgelegt wurde, und mein lieber Freund in großer Vertrauensseligkeit fallen ließe: “she’s from Germany…”
…
…
…
Hier bitte nun Tusch, Sirene, ein Blaulicht und das Nummerngirl mit dem Schild “DON’T MENTION THE WAR!” vorstellen.
Genau so.
Genau so läuft es. Alle vorherige Konversation geht den Bach runter, denn mindestens Betroffenheit, wenigstens etwas Vorurteil und ein großes Interesse für “wie es uns denn jetzt so geht” führen fortan die Liste. So finde ich mit wieder mit Hooligans, die mich erst “Helga” nennen, um dann später große Verbrüderung zu feiern, unbedarfte Jungmänner, die von ihren Reiseplänen nach München erzählen, um mal zu sehen, “wie es früher so war” oder immer noch Feindliche, die mich angucken wie frisch aus dem Schützengraben gehüpft, und dann vollends entsetzt sind, wenn ich unbedarft fröhlich einen von “Globalization” in die angeschwippste Diskussionsrunde werfe.
Wow…
Großes Kino.
Der Möglichkeiten des Umganges damit viele. An sich habe ich mir vorgenommen, nächstes Mal einen Knicks zu machen, mich artig zu bedanken, dass “die” uns freundlicherweise rausgeholfen haben aus der Misere.
Da das aber dann wirklich ein Minenfeld würde, und ich nicht wirklich kopflos zurückfliegen möchte, wohl eher so:
Wann immer Du in England bist (nicht London!), und sich ein Unbekannter über Deinen Akzent wundert, sag einfach, Du bist aus Bulgarien
(can’t wait for next week)
Prost!! Anja
(and thanks to Ali for ever sending me that link)
Worth a try…. Nur, wer weiss, was dann aus dem Sack gezogen wird? Wer weiss, was da zum Thema Bulgarien einfällt????
Wahlweise gingen da sicher auch noch Tasmanien, Transsylvanien, irgendwo aus der Mongolei….oder vom Mars. Worth it a try…teehee…
Also, dann I would go for Tasmanien. Or vielleicht doch better Liechtenstein, or (well, I’d like to go for Helgoland…whether they remember history..?). Ich glaub, ich muss mir mal Gelegenheit schaffen.
Do you know?…
We ARE a bloody strange lot over here!..I cannot tell you what it’s all about, but for a start we have “Morris Dancing, and we also obsessively mow our lawns( often on a Sunday)..so those two pointers alone, must have the proverbial visitor scratching the chin, and thinking, ( In an Eastern European accent)..”Wat ees go eeng on ear…art dees Murderfockers jos a small beet tuched in zee ‘ed ..or vot?”..
I have to say that I find the whole ” Oh, You are GERMAN?”..thing, a little bit tiresome to say the least!…I guess I am partly to blame for this by saying that “Anja is from Germany”…but I know my shrewd and cunning Kinsmen well, and it will be only a matter of hours before one of them starts to suspect, that my Love, in fact, is sporting a slight accent…
Over here, the lights are on…but no-ones home…
“She’s from GERMANY?”…”And what is that Huge Silver disc hovering above her..like some strange supernatural portent of doom….”
“Er…that will be the Moon,..It;s night time,…and we are in a Pub garden…….ok?”
Cheers for the Beers!
Kommt mir sehr bekannt vor. Das war in Nordirland, wo ich studiert habe, sehr sehr ähnlich. Nur blieb mir nicht die Ausrede mit bulgarisch, die Studenten kennen sich alle und ganz besonders natürlich die ausländischen Studenten.
Wobei die Iren lockerer waren, nach ein paar Bemerkungen war bald alles in Butter. Ein paar Jungs (immer nur die Jungs, niemals die Mädels) aus Nordengland aber fingen immer wieder damit an, dass ich ihren Opa auf dem Gewissen habe und Ähnliches. War manchmal echt furchtbar.
Hihi, wenn ich da so an meine verflossene Lieblinx-Nachbarin denke (die Nachmieter da über mir mag ich nich), die hat in Derby studiert. Irnzwatt mitte Designerei.
Die is damit terrorisiert worden, dass die Eingeborenen immer gesagt haben, deutsche Mädels haben Büsche untre Axeln und stehn voll auf David Hasselhoff.
Is zwar bestimmt erträglicher als datt Kriegsdingen, aber genau so wenig charmant.
Sehr schön, diese interkulturellen Erfahrungen.
Es ist so mehr als 16 Jahre her, da war ich zu einem kleinen Austausch in Dorset. Dummerweise spielte Deutschland gegen England. Da herrschte erst einmal Ausgangsverbot. Es war wohl in der Nachbarstadt Bournemouth, in der deutsche Studenten (Touristen?) in einer Disco zusammengetrieben wurden (mehr wohl auch nicht). Deutschland hatte gewonnen.
Am nächsten Tag ergab sich mit einem Freund, Nachbarn und einer älteren Passantin ein Gespräch über das Spiel. Die ältere Dame verließ nach kurzer Zeit plötzlich das Gespräch mit ihrem einachsigen Shopper und sagte: “At least we won the war!” … Den übrigen war das furchtbar peinlich. Ich bin bis heute amüsiert.
Ach ja, in U-S & A bin ich öfter mal gefragt worden, ob ich Engländer sei …
Ja hallo. Und herzlich willkommen hier!
Ich würd das auch sehr amüsant finden, tue ich auch die meiste Zeit. Fühlt sich nur manchmal ein wenig merkwürdig an…
Anja