Dieser Text mal wieder in Deutsch. Anders krieg ich es nicht zusammen und das Vokabular in diesem Fall ist begrenzt. So hoffe ich, dass ich wenigstens Ali alles übersetzen kann. Aber wer hier hereinschaut, wird das Wesentliche sicher erfassen…
Die deutsche, oder vielmehr europäische Bürokratie in einigen Dingen ist schon eine tolle Sache. Zumindest wenn es um Umzüge geht.
Das Wesentliche: Offiziell darfst Du dich nicht in einer Stadt melden, wenn Du noch nicht wirklich umgezogen bist. Umziehen kannst Du als Otto-Normal-Mensch natürlich nicht vor Arbeitsbeendigung. Die Meldebescheinigung brauchst Du aber, um Dich vor Ort als mindestens arbeitssuchend zu melden. Das wiederum möchte die letzten Bezüge sehen, die man mittels E 301-Formular eingeben kann, um eventuell Ansprüche mitzuziehen (hurra Europa, immerhin etwas!)…
E 301 gibt es nach Arbeitsbeendigung.
Und vor dem offiziell keine Umzugsmeldung.
Alles klar?
Egal….
Generell war die Agentur bis jetzt noch nicht soo schlimm, wie sonst erzählt. Aber das war erst der Einstieg nicht? Natürlich.
Die Aufnahme für die Weiterleitung? Hmmm…folgt strengen formalen Regeln. Eine Beratung ein englischer Sprache könne ich z. B. nicht erwarten, kam es von dem Mädel, welches die Personalien aufnahm. Eigentlich fragte ich nur, ob einer der Berater im Notfall auch englisch spreche. Das übrigens sind wir schon gewohnt, auch sonst, dass die Leute am liebsten den Hörer fallen lassen, wenn sich huch…! Ein Engländer meldet!!!!
Liebes Bildungsministerium! Eure sechs Jahre Schulenglisch sind offenbar für’n Arsch. Hier will keiner, kann keiner, und mag keiner in Englisch….so what? Vielleicht einfach fallen lassen die sprachliche Schinderei?
(Nur mal so.)
Dafür wurde der liebe Ali mal schnell zu “Frau Ali” und sein Zweitname zum Nachnamen funktioniert. Und das alles aus dem Passport. Europäisch versteht sich.
Kurzes Stutzen. Ein freundlicher Hinweis auf die Fehlleitung und der noch etwas unbeholfene Einwurf Alis: “Ich bin ein Frau mit Bart” mit einem Blick quittiert, der uns wohl besser unter die Tische rutschen lassen sollte. Wäre das Dingelchen nicht noch etwas jung gewesen….hmmmm…
Ansonsten alles prima, liebe Agentur für Arbeit! Ihr seid unflexibel, bürokratisch und fremdenfeindlich. Europäische Gesetze sind vorhanden, aber ungern gesehen. Kann ich mir vorstellen, Ihr Lieben. Bewegen tut auch was weh. Fällt ja angesichts unserer “Kundennummer” auch in den Bereich “Kundenfreundlichkeit”. Hach, und da spreche mal einer von Servicewüste….
Aber: macht Euch nix draus. Man kann ja immer noch besser werden. Und man lernt nie aus. So wie wir.
Glück sei Dank haben wir alles in die Reihenfolge bekommen, unter der man geringstmögliche Schikane erwarten kann.
Vielleicht.
Immerhin: Ali hat noch drei Wochen Arbeit in England und ist ansonsten offiziell Duisburger! Wenn das mal nicht ein Anfang ist. Ich freu mich!
Can’t wait for having you here! Anja
Liebe Anja.
Als alter Mann, der hier schon zu lange leben musste, darf ich dir einen kleinen Tipp geben, wie man mit den Behörden hierzulande umgehen muss – wenn man weiter kommen will:
Wenn ihr im Vorfeld versucht das Kind zu schaukeln, werdet ihr immer vor Barrikaden stehen. Da fehlt ein grüner Zettel, den man erst bekommt wenn man einen roten hat, das Ganze muss mit dem gelben Zettel abgegeben werden, den man erst bekommt wenn der grüne Zettel ausgefüllt ist – etc.
Stellt man die Behörden aber vor vollendeten Tatsachen, funktionieren sie recht gut. Der und der lebt hier, hat mal dort gearbeitet … dass ist eine Kopie von seinem Pass, hier die Adresse unter der ihr uns erreichen könnt … danke im Voraus.
Das wusste schon Adenauer und Strauß so zu machen. Erst handeln, dann legitimieren. Die Behörden sind das so gewohnt – anders wollen die gar nicht.
Armer alter Mann…grundsätzlich ist das bestimmt der beste Weg, denn oft hilft es ja einfach nix. Mit ein paar Umzügen auf dem Buckel und den “üblichen” Wegen weiß ich aber schon, manches muss in Zeit passieren, sonst gibt es Ärger, Strafe, Dingensgedöns…und ich bin amtliche bescheinigte Kontrollfreak-Frau…
In diesem Sinne lagen wir gar nicht so schlecht.
Dass Ali seine Post zur Sicherheit jetzt mit “Herr/Frau” zugesandt bekommt, nehmen wir einfach mal dankend an
Anja